Unvergessene Storys

Der Alltag eines IT-Technikers ist eher ernst. Probleme lösen, bei jedem Telefonat ein offenes Ohr für die Probleme des Kunden, gleich Feierabend und trotzdem noch “mal eben” ein kleines Problem bis 23 Uhr lösen- das ist Alltag. Manchmal passieren sie aber, die kuriosen nicht vorhersehbaren kleinen und großen Kuriositäten, die irgendwann zu Anekdoten werden.

 

Der fliegende Server oder warum wir IMMER in Originalverpackung ausliefern

Die Auslieferung eines Servers ist im Grunde simpel und Routine. Man bereitet ihn vor, packt ihn wieder in den Karton, lädt ihn ins Auto ein und beim Kunden macht man das genau in umgekehrter Reihenfolge. So weit, so gut.
In diesem Fall entfiel- warum konnte uns der Delinquent im Nachhinein nicht mehr sagen- das Verpacken im Karton. Na gut, Server wiegen auch nicht immer 40kg, oft sind es um die 10 kg. Also klemmt man sich das Teil unter den Arm und weil man sportlich ist, nimmt man die Eingangstreppe in Doppelstufen mit Laufschritt. Die letzte Stufe war´s dann. Die Fußspitze bleibt hängen, noch zwei, drei, vier Schritte dem Erdboden näherkommend klammert man immer noch das Blech unterm Arm fest an sich, denn das gilt es zu schützen. Die eigene Nase ist egal, die heilt wieder… Das leichte Bremsen führt zur Gewichtsverlagerung nach vorn, das Teil rutscht Stück für Stück unter dem Arm hervor und landet hart. Fliesen. Eingangshalle. Der Schall geht in alle Ecken. Das Loch, was man sich wünscht, tut sich nicht auf. Also bleibt nur die Flucht nach vorn – nein, besser zurück. Gerät aufsammeln, Kopf nach unten, wieder rein ins Auto und geordneten Rückzug antreten. Der Server geht heut nicht in Betrieb. Morgen auch nicht.
Viele Jahre ist es nun her aber nie wieder ist ein Gerät ohne Umverpackung zum Kunden gelangt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Es war der Chef.

 

Die lange Nacht der Rückfahrt

Wir arbeiten im gesamten norddeutschen Raum, 150 km Rückweg ist normal. Da vergisst man schon mal den Verkehr vor Antritt der Fahrt zu prüfen. Zumal man eigentlich schon seit 17 Uhr im Auto sein wollte, ein Problem aber nicht zu lösen war und es wurde 19:30 Uhr. Nicht ungewöhnlich, so ist das Leben des Technikers, in dem Fall zu Zweit und es ist geteiltes Leid.

Nach 40 km Autobahn ist Schluss, Stillstand wegen Vollsperrung für weitere 4 lange Stunden. Es ist kalt, aber wenigstens ist der Tank nicht leer. Ok, den Verkehr checken wir in Zukunft wohl häufiger… Die nächste Raststätte ist weit, also nehmen nachdem es weitergeht wir für ein kleines Bedürfnis die nächste Ausfahrt. Es ist dringend, es ist dunkel, der Tag war lang- da kann man schon mal das Gelände unterschätzen. Beim Zurücksetzen die bittere Erkenntnis, dass Winterreifen nicht alles leisten können, die nächste halbe Stunde wird geschoben, geflucht, geschimpft und wieder versucht. Irgendwann haben die Räder wieder festen Boden und der “Schieber im Außendienst” eine komplett schwarze Montur.
Sie meinen, das reicht für den Tag? Weit gefehlt. In Lüneburg nimmt dann jeder sein Auto und fährt das letzte Stück nach Hause. Einer der beiden hat im Auto ausgediente Monitore, die als Spende am nächsten Tag einer Schule übergeben werden. Viele Monitore in einem Kleinwagen ergeben einen hohen Stapel, auch wenn es Flachbildschirme sind. Streifenwagen haben in Lüneburg offensichtlich noch die ursprüngliche Aufgabe, nach ungewöhnlichen Vorkommnissen Ausschau zu halten.
Das Fahrzeug unseres Technikers war offensichtlich ein solches. Weit nach Mitternacht, durch die Geschehnisse zuvor auch nicht besonders gut gelaunt, das Auto voll bis unters Dach- es kam wie es kommen musste. Erst einmal Verdacht auf Diebstahl, nach einigen Diskussionen blieb dann nur die ungenügende Sicherung der Beladung übrig. Dazu muss man wissen, dass wir zu diesem Zeitpunkt einen zweiten Unternehmensbereich hatten, den Vertrieb von Verpackungsmaterial. Das sichere Verpacken und Transportieren ist uns also geläufig: Der Kollege durfte anschließend in unserem Pack Point ein intensives Praktikum zum Thema Ladungssicherung absolvieren. Die Urkunde und einen Zurrgurt gab es gratis, das Gelächter selbstverständlich auch.